Es ist Brunftzeit bei den Gämsen. Während in den Hängen das kraftvolle Verhalten der Böcke dominiert, zeigt sich in ruhigeren Momenten die andere Seite dieser Jahreszeit: das abgestimmte Miteinander der Geißen. Sie bewegen sich enger zusammen, aufmerksam und vorsichtig, denn im Verbund lässt sich die Umgebung besser einschätzen. Mehr Augen erkennen Veränderungen früh, mehr Ohren nehmen selbst leise Geräusche auf.

Während die Böcke ihrem Fortpflanzungstrieb folgen und zeitweise weniger auf ihre Umgebung achten, halten die Geißen die Ordnung der Gruppe aufrecht. Ihr Verhalten wirkt unspektakulär, ist aber entscheidend: Kooperation und Wachsamkeit bilden die Grundlage dafür, Gefahren rechtzeitig zu bemerken.

So zeigt die Brunft nicht nur Konkurrenz und Energie, sondern ebenso die stille, verlässliche Seite des Überlebens – getragen von denen, die die Herde zusammenhalten.

Es war schon immer mein großer Traum, Wölfe in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben, sie bei der Jagd zu beobachten, zu sehen, wie sie einen Hirsch stellen, erbeuten und schließlich fressen. Ihr ursprüngliches, wildes Verhalten aus nächster Nähe mitzuerleben und mit etwas Glück sogar fotografisch festzuhalten. Nun hatte ich tatsächlich dieses unbeschreibliche Glück. Noch immer kann ich kaum fassen, welche Szenen sich vor meinen Augen abgespielt haben. Es war intensiv, bewegend, roh und zugleich von einer tiefen Natürlichkeit – ein Moment, der mich dem Kreislauf des Lebens so nah gebracht hat wie nie zuvor. Hier schenke ich euch einen kleinen Augenblick mei- nes Traums, meines Glücks. Und das vielleicht Schönste an dieser Geschichte ist, dass sie nicht irgendwo in einem fernen Land entstanden ist, an einem Ort, an dem Tiere angefüt- tert werden, um Begegnungen wahrscheinlicher zu machen. Nichts war gestellt. Nichts war geplant. Während in vielen Fällen, vielleicht in 90 oder sogar 99 Prozent, nachgeholfen wird, blieb hier alles so, wie es die Natur vorgesehen hat. Es war einfach ein Moment. Ein Zusammentreffen, das man nicht erzwingen kann.